Nach der Fehmarn-Enttäuschung stand Schleswig als Ziel im Navi, eine der beiden Städte, die die Schlei-Region (auch Ostseefjord Schlei genannt) begrenzen, Kappeln im Norden und Schleswig im Süden.

Ein kurzer Stop in Heiligenhafen am Hafen, um Eindrücke einer Hochsee-Angelfahrt vor zig Jahren aus dem Unterbewusstsein hervorzukramen (so eine Seekrankheit hinterlässt Eindruck) und schon ging es weiter.
Die Sonne tauchte die Landschaft in herrliches Licht. Ein Blick auf den Selenter See eröffnete eine Aussicht, wie man sie von Reiseprospekten mit Ferienhäusern an einsamen schwedischen Seen kennt.
In Eckernförde machten wir den nächsten Halt. Die wunderschöne Eckernförder Bucht, eine malerische Altstadt, Erinnerungen an manch schönen Urlaub wurden wach.
Warum der Lindenhof in Sulsdorf bei booking.com als Hotel geführt wird, ist mir ein Rätsel. Ist es, weil der Betreiber sich einer Vereinigung namens Land-gut-Hotels angeschlossen hat? Nach der Definition des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes ist ein Hotel "... ein Beherbergungsbetrieb, in dem eine Rezeption, Dienstleistungen, tägliche Zimmerreinigung, zusätzliche Einrichtungen und mindestens ein Restaurant für Hausgäste und Passanten angeboten werden. Ein Hotel sollte über mehr als 20 Gästezimmer verfügen." Diese Voraussetzungen erfüllt der Lindenhof eindeutig nicht.
Eine weitere Frage stellte sich mir. Wie kann eine solch *zensiert* Unterkunft bei booking.com eine Bewertung von 8,1 von 10 Punkten = sehr gut, einfahren? Zentrale Lage, geschmackvoll, gemütlich, exquisites Frühstück und dergleichen ist in den Bewertungen zu lesen. Da kann ich mich nur fragen, ob die Leute, die so bewerten, in einer Parallelwelt leben.
Dieses Restaurant hat ein eigenes Post verdient!
Kurz vor Mittag machten wir Zwischenstation in Eckernförde. Wunderschöne Bucht, wunderschönes Städtchen, aber dazu später mehr. Nach einer kleinen Tour zum Strand und durch die Fußgängerzone meldete sich langsam der Hunger und nach kurzer Internet-Recherche steuerten wir das Restaurant Fischdeel Land und Meer an.
Das kleine, hübsche Lokal liegt in einer malerischen Altstadtgasse, ziemlich versteckt vor Laufkundschaft und man muss schon gezielt dahin wollen. Das Restaurant ist sehr geschmackvoll und mit viel Liebe eingerichtet und ich habe mich gleich wohl gefühlt. Wir bekamen einen Tisch neben einem Glaskamin.
Die Kellnerin brachte uns die Speisekarte und hatte auch zwei Tagesempfelungen parat; Dorschfilet auf Spitzkohl mit Babykartoffeln, Speckrahm, Schmand und Preiselbeeren und als Zweites Heilbutt mit Bratkartoffeln und Salat. Obwohl die Gerichte in der Speisekarte wirklich verlockend klangen, sind wir den beiden Empfehlungen gefolgt, weil die Kellnerin einen sachkundigen Eindruck auf uns machte und wir haben es nicht bereut!
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt ein solch fantastisches Fischgericht gegessen habe. Frische Zutaten in Top-Qualität, mit Rafinesse zusammengestellt, perfekt zubereitet und ansprechend präsentiert. Da stimmte einfach alles und es hat nicht viel gefehlt und ich hätte den Teller abgeleckt. Selbstverständlich fragte die Kellnerin zwischendurch, ob alles recht sei, aber auch der Koch (vermutlich auch der Inhaber) fragte bei allen Gästen nach, ob sie zufrieden sind. Der Service war ebenfalls tadellos und das, obwohl das Restaurant gut besucht war und die Mitarbeiterin alleine war.
Die Fischdeel kommt auf jeden Fall in meine Liste der Top-Restaurants, die ich wieder besuchen werde, wenn ich in der Stadt bin.
Der Wettergott hatte am Dienstag gute Laune und spendierte eine Runde blauen Himmel. So machte der vormittägliche Rundgang durch die Lübecker Altstadt doppelt Spaß. St. Petri, das historische Rathaus, Buddenbrookhaus und natürlich das Holstentor mit dem benachbarten alten Salzspeicher standen auf der Liste. Zum Abschluss ein Käffchen im Marzipantempel Café Niederegger und selbstverständlich wurde auch das ein oder andere süße Souvenir mitgenommen.
Kurzer Abstecher nach Timmendorfer Strand und einen Blick auf Ilses und Jürgens neueste Hauserrungenschaft geworfen und weiter ging es nach Sierksdorf. Frau Sch. aus A. hatte uns eingeladen, sie in ihrem Zweitdomizil gleich am Strand zu besuchen. Ein schöner Blick über die ganze Bucht und eine Einladung zum Essen im Romantik-Seehotel Eichenhain (sehr empfehlenswert!) hinterließen bleibende Eindrücke.
Nach einem Häppchen aus Niedereggers Café und 'nem "lecker" Tässchen Kaffee wurde am Kaffeetisch das nächste Ziel ausgesucht und ein Hotel gebucht. Eine Stunde später standen wir vor unserem "Hotel" in Sulsdorf auf Fehmarn, dem Lindenhof.
An der Tür prangte ein Schild "Der Lindenhof ist derzeit nicht besetzt. Bitte rufen Sie uns an und wir sind in einer Minute vor Ort." Während wir darauf warteten, klärte uns ein anderer Gast darüber auf, dass es mit Restaurants im näheren Umkreis schlecht aussehe. Im 2 km entfernten Orth gebe es einen guten Griechen, aber der habe heute Ruhetag. Da bleibe nur das 13 km entfernte Burg. Na ja, Nebensaison auf 'ner Ferieninsel halt.
Der Besitzer war inzwischen eingetrudelt und fand nach mehreren Versuchen auch zwei Zimmer, die bezusfertig hergerichtet waren. "Zimmer" trifft's nicht so ganz, das waren Ferienwohnungen im Stil der 70er Jahre. Ab 8 soll's Frühstück geben, schaun mer mal.
Aber erst fuhren wir nach Burg und gingen auf Restaurantsuche. Nach einem Rundgang durch das Stadtzentrum am Markt landeten wir schließlich bei einem Italiener, Don Camillo & Peppone. Bei restaurant-kritik.de wird dieses Restaurant auf Rang 2 (von 76 Restaurants auf Fehmarn) geführt. Sollte das tatsächlich zutreffen, kann ich nur sagen "armes Fehmarn". Insalata mista, Canneloni und Pizza waren durchschnittlich und der Wein unterdurchschnittlich (0, 5 l offener Montepulciano für 11 €). Ich esse einfach zu oft in Italien und kenne zu viele wirklich gute Italiener in Deutschland.
Ergiebiger Regen begleitete uns bis Zarrentin am Schaalsee. Nach einer leckeren Fischplatte mit Maräne, Wels und Zander folgte ein kleiner Spaziergang am Seeufer entlang. Leider waren die beeindruckende Klosteranlage am See und auch das Heimatmuseum geschlossen und es fing auch schon wieder an zu regnen.
Also weiter nach Lübeck. Das zunächst in Aussicht genommene gleich gegenüber dem Bahnhof gelegene Hotel gefiel uns nicht und nach einem kurzen Stopp in einem Café steuerten wir das Ibis in der Nähe der Altstadt an. Schönes Hotel mit Tiefgarage und nach einer kleinen Ruhepause geht es mit dem Taxi zum von der Rezeption empfohlenen Restaurant Schiffergesellschaft. Gutes Essen, freundlicher Service und ein beeindruckendes Inneres, was will man mehr.
Einem nächtlichen Rundgang durch die historische Altstadt wird heute vormittag eine eingehendere Erkundung folgen, so das Wetter einigermaßen mitspielt.