Montag, 13. Mai 2013

It's a long way to San Francisco


Ich wollte am Sonntag, dem Mothers Day, um 5 pm nach Sausalito zum Nordende der Golden Gate zu ein paar Fotospots fahren. Google Maps zeigte die Strecke über Richmond und die Richmond-San Rafael-Bridge mit 46 km und 40 Minuten an. Habe dann im Navi das Ziel eingegeben und bin losgefahren. Ich wunderte mich über eine Zeitangabe von 1:50, dachte aber, da sei irgendwie die Sommerzeit falsch berücksichtigt. Als ich merkte, wie das Navi mich führte, war es zu spät. Da bin ich doch tatsächlich südlich um die ganze Bay über San Jose wieder hoch zur Golden Gate geführt worden ... über 150 km und fast 2 Stunden Fahrzeit.

Habe das Navi gecheckt, schnellste Strecke ist ja richtig, aber ich kann nicht glauben, dass die nördliche Strecke gesperrt oder so verstopft war, dass das länger gedauert hätte. Eine Einstellung, die Mautstraßen (wie die Brücken Richtung San Francisco) ausschließt, konnte ich auch nicht finden. Na ja, passiert mir nicht nochmal!

Als ich schon einmal in San Francisco war, habe ich mich am Südende der Golden Gate nach Fotospots umgesehen und auch ein paar Bilder geschossen. 




Nach Sonnenuntergang bin ich den Trail zu meinem Auto runtermarschiert und durch's nächtliche San Francisco zurück ins Hotel gefahren, einfach faszinierend! Heute werde ich nochmal rüberfahren und morgen ziehe ich endlich um.

Sonntag, 12. Mai 2013

Die Drei-Brücken-Tour


Nachdem mich die Suche nach einem Frühstück aus Berkeley in die nördliche Nachbarstadt El Cerrito geführt hatte, dachte ich mir, schau mal nach Sehenswürdigkeiten in der Gegend. Google gab nicht viel her, also habe ich einfach mal eine "Attraction" aus dem Navi angefahren, einen Park an der Küstenlinie namens Point Isabel Regional Shoreline. Aber außer der mir durchaus sympathischen Nutzung als Hundeauslaufgebiet hatte der Park nicht viel zu bieten.



Und so entstand die Idee, einmal die Bay Area zu umrunden. Mein Weg führte mich zunächst zur knapp 9 km langen Richmond–San Rafael Bridge, die - nomen est omen - von Richmond nach San Rafael führt. Die Brücke wurde von 1999 bis 2005 für 540 Mio. $ erdbebensicher umgebaut. Für das Befahren fällt eine toll von 5 $ an. Das Erste, was man an Land erblickt, ist ein Wegweiser zum berühmt-berüchtigten Staatsgefängnis San Quentin. 

Von San Rafael ging es weiter auf dem Highway 101 zum bekannten Küstenstädtchen Sausalito. Hier führt eine steile Stichstraße den Berg hinauf zu mehreren View Points, die einen schönen Blick auf die Golden Gate Bridge ermöglichen. Die ersten beiden View Points waren so überfüllt, dass an ein Anhalten nicht zu denken war, aber am dritten klappte es dann. Aber wie so oft waberte der Nebel durch die Bucht und verhüllte die Brücke mehr oder weniger. Aber auch so ist der Blick atemberaubend.



Und dann durfte ich sie endlich wieder befahren, die Golden Gate, die Brücke in die für mich schönste Stadt der Welt, San Francisco. Ich hatte mir schon Kleingeld bereitgelegt, um es an der Toll-Station in den Trichter zu werfen oder dem Cashier in die Hand zu drücken, aber auch an der Golden Gate ist man mit der Zeit gegangen und hat alles auf elektronische Erfassung und Bezahlung umgestellt. An der Toll-Station findet man nun Schilder, die einen auffordern, bloß nicht anzuhalten, sondern einfach langsam durchzufahren. Nachher habe ich im Internet die Möglichkeit gefunden, die toll von 6 $ , die übrigens nur nach San Francisco rein anfällt, binnen 48 Stunden nachträglich entrichten zu können. Nun habe ich einen 1-Monats-Account und für jedes Befahren der Brücke bucht der Betreiber 6 $ von meiner Kreditkarte ab.

Keine Schlangen mehr an den Häuschen und so war ich schneller auf der Brücke als gedacht. Keine Angst, die Brücke ist schon gerade, aber ich wollte unbedingt ein Foto beim Fahren und hatte nur die schwere Kamera mit Tele zur Hand und einhändig damit zu fotografieren, ist nicht einfach.




Als ich endlich wieder die Straßen von San Francisco befuhr, stellte sich gleich ein Hochgefühl ein ... ich bin einfach verliebt in diese Stadt!





 

San Francisco lockt

Gestern habe ich Berkeley ein bisschen erkundet und hatte anschließend gemischte Gefühle. Einerseits hat es sehr schöne Ecken, ein sehr lebendiges Straßenbild und einen eindeutig europäischen Touch (wie übrigens auch San Francisco). Es gibt Gegenden mit sehr viel Grün und farbenprächtigen Blumen, tollen Lebensmittelgeschäften und Restaurants der verschiedensten Landesküchen (ein Viertel mit besonders großer Vielfalt heißt Gourmet Ghetto) und es gibt auch sehr charmante Wohnviertel mit kleinen Häuschen, die oft liebevoll gestaltet sind und von denen jedes anders aussieht.

Einen ganz tollen Lebensmittelladen mit angeschlossener Pizzeria habe ich entdeckt: Cheese Board bzw. Cheese Board Pizzeria. Im Geschäft werden über 400 Sorten Käse angeboten, was man selbst bei uns schwerlich finden dürfte. Daneben gibt es selbstgebackenes Brot, das wunderbar schmeckt und duftet und sogar knackig ist (meist werden einem ja hier irgendwelche Gummiteile als Brot verkauft). Der Brot- und der Pizzateig werden vor den Augen des Publikums zubereitet und das sieht sehr gut aus ... so richtig mit Teigkneten, Gärkörbchen und was sonst so zu einem handwerksmäßig hergestellten Brot gehört. Unterschiedliche Kaffeesorten aus fairem Handel und natürlich Bio kann man ebenfalls vor Ort genießen.

Das Geschäft gehört seit vielen Jahren den Angestellten (Kollektiv, Kooperative) und die machen einen verdammt zufriedenen Eindruck und sind mit Spaß bei der Sache dabei. Ich durfte drinnen auch Aufnahmen machen:




Die Pizzas gehen weg wie warme Semmel ... und das duftet dort, mhhhhhh. Die Pizzeria macht jeden Tag eine unterschiedlich belegte Pizza des Tages und die - und keine andere - kann man dann als ganze, halbe oder in Stücken kaufen und vor Ort, bei schönem Wetter auch an Tischen auf dem Bürgersteig verspeisen. Als ich da war, gab es als Beigabe auch noch feinen Live-Jazz (die Bands wechseln täglich).







Und dann war da noch der Edelpenner, der 'ne alte Smokingjacke und 'nen Hut mit Blumenkranz anhatte. Als der in die Pizzeria ging, hatte er ein Apple-Ladegerät in der Hand. Er kam aber unverrichteter Dinge wieder raus. Ob der da 'nen Akku laden oder 'ne Pizza schnorren wollte, ich weiß es nicht.



Heute morgen habe ich ausgeschlafen und wollte gegen 11 ein kräftiges Frühstück genießen. Das stellte sich aber als nicht so einfach heraus. Die Restaurants mit den besten Bewertungen hatten entweder um 11 kein Frühstück mehr oder sie hatten keinen eigenen Parkplatz, so dass man als Autofahrer bei der Parkplatznot keine Chance hatte, bequem ranzukommen. 

Ich glaube, das ist aus ideologischen Gründen auch teilweise so gewollt. Man sieht das an den Bedingungen für Autofahrer (Tempolimits von 25 oder 30 mph, sehr viele Ampeln, die alle paar Sekunden auf rot springen, wenig Parkplätze und die haben auch fast alle eine Parkuhr). Fußgänger und Radfahrer finden dagegen in Berkeley sehr gute Bedingungen vor. Zebrastreifen und Radwege gibt es in Unmengen, Verkehrsregeln scheinen für Radfahrer überhaupt nicht zu gelten und wenn ein Fußgänger an bestimmten Überwegen ein Knöpfchen drückt, geht ein Lichtgewitter los, dass man meinen könnte, irgendwo wurde Alarmstufe 1 ausgerufen. Die Autofahrer bleiben dann schon 10 Meter vor dem Überweg stehen.

Und wenn ich in die Speisekarten dieser In-Restaurants schaue, die die NEUE amerikanische Küche anpreisen (alles Bio, Öko, low fat, low carb, vegetarisch und vegan ist natürlich auch im Angebot), bekomme ich irgendwie ein ungutes Gefühl. Mich erinnert das an die verbissenen Öko-Aktivisten und Grünen der Anfangszeit, die alles verteufelten, was nicht 100 %-ig in ihr Weltbild passte.

Und so bin ich schließlich heute aus Berkeley (hier gibt es nämlich so gut wie kein Kettenrestaurant) rausgefahren und habe bei einem Denny's (mit reinstem Gewissen *grins*!) ein stinknormales Omelett gegessen.

Dabei habe ich auch die weniger schönen Seiten Berkeleys gesehen (Mülltüten durchsuchende Obdachlose und heruntergekommene Viertel). Vielleicht deshalb der Titel "San Francisco lockt"? Bald mehr ...

Freitag, 10. Mai 2013

Die Bay Area

Gestern gab es nochmal viel Holz und leider wieder nicht das ersehnte Wetter.

Nach einem guten Frühstück fuhr ich auf der schönen Avenue of the giants parallel zum Highway Richtung Süden durch meilenlange Wälder voller Redwood-Giganten.




Nachdem anfangs wieder das eintönige grau-in-grau-Wetter vorherrschte, klarte es mittags auf und die Sonne kam raus. Sonne am Mittag ist aber auch nicht das, was der Fotograf sich wünscht. Steilstehende Sonne gibt nämlich auch keine Schatten her.

Ich freute mich aber schon darauf, den berühmten Küsten-Highway Nr. 1 bei diesem Wetter zu fahren und dort einen der unvergleichlichen Sonnenuntergänge zu erleben. Aber Pustekuchen ... am Highway Nr. 1 hatte sich bei meiner Ankunft wieder das grau-in-grau-Wetter breitgemacht. Ich bin den Highway 1 dann bis Mendocino runtergefahren und dort auf den 128 ins Landesinnere zum 101 gewechselt. 

Der 128 wäre übrigens eine feine Strecke für Bergrennen, ständig geht es rauf und runter und es gibt kaum ein gerades Stück Straße, Kurven ohne Ende, von der Haarnadel bis zu mehrfach aneinandergereihten S-Kurven. Da ich vom ständigen Tempomatfahren wieder mal ziemlich müde war und noch bis kurz vor San Francisco kommen wollte, hab' ich's auf den gut 100 km von Mendocino nach Cloverdale mal richtig brennen lassen und 'ne Menge Gummi auf der Straße gelassen *grins*. Ich glaube, dabei habe ich einigen Amis einen Schrecken eingejagt, die hielten nämlich immer sofort in der nächsten Ausweichstelle an, um mich vorbeizulassen *nochmal grins*.

Und zur Belohnung verzog sich das grau-in-grau-Wetter und machte herrlichstem Sonnenschein platz, der mich auf der Fahrt durch das Weinanbaugebiet ums Napa Valley bis zu meinem Ziel Santa Rosa begleitete.

Heute morgen habe ich mich entschieden, meiner Vorliebe für San Francisco und die Bay Area zu frönen und habe mich für die nächsten vier Tage in einem schönen Motel in Berkeley eingemietet. Von dort werde ich nun ausgiebig die Bay Area erkunden, ehe ich dann am 14. Mai für weitere drei Tage ins Hotel nach San Francisco wechsele.

Donnerstag, 9. Mai 2013

Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!


Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

Diese Zeilen Goethes kamen mir gleich in den Sinn, als mir im Jedediah Smith Redwoods State Park diese urtümlichen Redwood-Riesen gierig ihre Arme entgegen zu strecken schienen ... 



... oder mir knorrige Gestalten scheinbar das Fortkommen verwehren wollten.



So aufregend Goethes Schilderung des dahinjagenden Vaters ist, so langweilig zeigte sich leider das Licht für den Fotografen ... grau in grau, keine Lichtstrahlen, keine Schatten, keine Kontraste. Die zartesten Blüten und lauschigsten Bachläufe konnten das nicht wettmachen ...




und nachdem sich das Licht auch an zahlreichen View Points und Scenic Drives entlang der Küste nicht besserte, beschloss ich, in Eureka nicht zu übernachten, sondern noch möglichst weit Richtung San Francisco zu kommen. Meine Müdigkeit und die Erkenntnis, dass nach Eureka zig Meilen nix an nennenswerten Siedlungen kommt, ließen mich aber dann doch nach Eureka zurückfahren. 

Und nun sitze ich hier im Motel und blogge nachts um 2 durch die Gegend, nachdem ich zwischen 6 pm und 11 pm ein Schläfchen hatte. 

Morgen gibt es nochmal "ancient Redwoods" auf der "Avenue of the giants" zwischen Scotia und Phillipsville und danach peile ich als nächstes Ziel Fort Bragg oder Mendocino an.